Energieeinkauf 2027: Warum Marktnähe gerade jetzt interessant ist
Spot schwankt – aber genau das tut der Energiemarkt auch.
Was Unternehmen über Spot, Spot Plus und Festpreis wissen sollten.

Strom hat nicht den ganzen Tag denselben Preis
Wenn Unternehmen über ihren Strompreis sprechen, klingt es oft so, als hätte eine Kilowattstunde einen festen Wert.
Am tatsächlichen Strommarkt ist das anders.
Der Börsenpreis verändert sich fortlaufend – abhängig davon, wie viel Strom gerade benötigt wird und wie viel Erzeugung zur Verfügung steht.
Dadurch entstehen im Tagesverlauf
teure und günstige Zeitfenster, Preise um 0 €/MWh und inzwischen regelmäßig auch negative Börsenpreise.
Diese Schwankungen sind ein normaler Bestandteil des Strommarktes.
Für den Energieeinkauf stellt sich deshalb die Frage, ob ein Unternehmen den Preis für eine zukünftige Lieferperiode bereits heute festschreiben möchte – oder ob es die tatsächliche Marktentwicklung während der Belieferung mitnehmen möchte.
Dein Verbrauch hat seinen eigenen Wert
Nicht nur wie viel Strom ein Unternehmen verbraucht, ist entscheidend – sondern auch wann.
Bei RLM-Kunden und bei entsprechendem intelligenten Messsystem kann der tatsächliche Verbrauch im 15-Minuten-Takt dem jeweiligen Marktpreis zugeordnet werden.
So entsteht eine sehr viel individuellere Betrachtung als über einen pauschalen Jahresdurchschnitt.

Gleicher Markt – unterschiedliche Abrechnung
Auch beim Spotmarkt wird nicht jeder Kunde auf dieselbe Weise abgerechnet.
Entscheidend ist,
wie der Verbrauch gemessen und dem Marktpreis zugeordnet wird.
Bei
SLP-Kunden mit Abschlagszahlung wird der allgemeine Spot-Durchschnittswert 1:1 weitergegeben. Zu welcher Uhrzeit der Strom tatsächlich verbraucht wurde, spielt für den persönlichen Preis dabei keine Rolle.
Anders kann es bei
RLM-Kunden oder Kunden mit einem entsprechend eingebundenen intelligenten Messsystem aussehen. Liegen zeitaufgelöste Verbrauchsdaten vor, kann der tatsächliche Verbrauch den jeweiligen Marktpreisen zugeordnet werden.
Dadurch können zwei Unternehmen im selben Monat trotz ähnlicher Verbrauchsmenge
unterschiedliche durchschnittliche Spotpreise auf ihrer Abrechnung haben – abhängig vom jeweiligen Lastgang.
Wer größere Verbraucher zusätzlich gezielt in günstigere Marktzeiten verlagern kann, hat damit einen weiteren Vorteil und kann den eigenen Durchschnittspreis beeinflussen.
Verbrauchssteuerung ist jedoch keine Voraussetzung für Spot.
Auch ohne aktive Verschiebung bleibt die Preisbildung direkt an der tatsächlichen Entwicklung des Spotmarktes orientiert.
Spot ist keine Wette auf niedrige Preise
Spot bedeutet nicht, darauf zu setzen, dass Strom morgen oder im kommenden Jahr automatisch günstiger wird.
Bei einem transparenten 1:1-Spotmodell wird die tatsächliche Marktentwicklung während der Belieferung weitergegeben. Steigen die Börsenpreise, wirkt sich das entsprechend aus. Fallen sie, kommen auch diese günstigeren Marktphasen beim Kunden an.
Der Vorteil liegt in der
direkten Marktnähe:
Es muss heute kein zukünftiger Energiepreis für viele Monate oder Jahre festgeschrieben werden.
Entscheidend ist vielmehr, welcher Marktpreis zum Zeitpunkt der Lieferung tatsächlich entsteht.
Schwankungen gehören dabei zum Modell.
Sie sind kein Nachteil an sich, sondern Ausdruck eines sich ständig verändernden Energiemarktes.
Deshalb sehe ich Spot nicht als Spekulation auf niedrige Preise, sondern als bewusste Entscheidung für Transparenz, Marktnähe und eine nachvollziehbare Preisbildung.
Was Spot zusätzlich besonders macht
Ein besonderer Vorteil des Spotmarktes liegt darin, dass
auch sehr günstige Marktphasen unmittelbar in die Preisbildung einfließen können.
Fällt der Börsenstrompreis zeitweise auf
0 €/MWh oder sogar darunter, wird dieser Marktpreis bei einem transparenten 1:1-Spotmodell entsprechend berücksichtigt.
Bei einem klassischen Festpreisvertrag ist das anders:
Der Energiepreis wurde bereits im Voraus vereinbart.
Einzelne besonders günstige oder negative Spotstunden verändern diesen Preis während der Belieferung nicht mehr.
Wichtig dabei: Ein negativer Börsenpreis bedeutet nicht, dass Strom für den Kunden vollständig kostenlos ist.
Netzentgelte, Steuern, Umlagen sowie vereinbarte Service- und Vertragskosten bestehen weiterhin.
Über einen längeren Zeitraum können solche günstigen Marktphasen den durchschnittlichen Spotpreis jedoch spürbar beeinflussen.
Warum ein Festpreis anders funktioniert
Ein Festpreis folgt einer anderen Logik als Spot.
Der Energiepreis für eine zukünftige Lieferperiode wird bereits heute kalkuliert und für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben.
Grundlage dafür sind unter anderem die Preise am Terminmarkt.
Der dort gehandelte Börsenpreis ist jedoch noch nicht automatisch der spätere Kundenpreis.
Hinzu kommen weitere Bestandteile wie Beschaffungs-, Vertriebs- und Vertragskosten sowie die Absicherung von Preis- und Mengenrisiken.
Denn wer heute einen Preis für die Zukunft garantiert, muss diese Verpflichtung auf seiner Seite entsprechend absichern.
Während ein transparentes Spotmodell die tatsächliche Marktentwicklung während der Belieferung abbildet, wird beim Festpreis versucht, die kommenden Monate oder Jahre bereits im Voraus kalkulierbar zu machen.
Das schafft Planbarkeit – bedeutet aber zugleich, dass zukünftige Erwartungen und Risiken schon heute in die Preisbildung einfließen.

Was bedeutet das aktuell für 2027?
Der
Terminmarkt
zeigt derzeit sehr deutlich,
wie schnell sich die Bewertung zukünftiger Lieferjahre verändern kann.
Das
Base-Jahresband Strom 2027 lag am 24.08.2026 bei
113,76 €/MWh beziehungsweise 11,38 ct/kWh.
Nur eine Woche zuvor waren es noch
106,66 €/MWh beziehungsweise 10,67 ct/kWh.
Innerhalb einer Woche ist der Börsenwert damit um 6,66 % gestiegen.
Für Unternehmen ist dabei eine Einordnung besonders wichtig:
11,38 ct/kWh sind noch kein fertiger Kundenpreis.
Dieser Wert bildet zunächst den Börsenpreis für das standardisierte Jahresprodukt 2027 ab.
Bei einem konkreten Festpreisangebot kommen weitere Beschaffungs-, Vertriebs- und Risikokomponenten hinzu.
Zum Vergleich lag der durchschnittliche
Base-Spotpreis der vergangenen 365 Tage bei 98,44 €/MWh beziehungsweise 9,84 ct/kWh.
Beide Werte stehen für unterschiedliche Beschaffungslogiken und sollten deshalb nicht 1:1 miteinander verglichen werden:
Terminmarkt: Heute wird ein Preis für eine zukünftige Lieferung gehandelt.
Spotmarkt: Der Marktpreis entsteht während der tatsächlichen Belieferung.
Wie hoch der durchschnittliche Spotpreis im Jahr 2027 tatsächlich sein wird, weiß heute niemand.
Wer sich jetzt für einen Festpreis entscheidet, legt damit bereits heute fest,
zu welcher Markterwartung die Energie für 2027 eingekauft und kalkuliert wird.
Wer am Spotmarkt bleibt, schreibt diesen zukünftigen Energiepreis nicht vorab fest, sondern nimmt die Marktentwicklung während der Belieferung mit.
Für Unternehmen geht es deshalb nicht nur um die Frage:
„Wie hoch ist der Preis heute?“
Sondern vielmehr:
„Wie viel meiner zukünftigen Energiemenge möchte ich bereits heute festschreiben – und wie viel Marktentwicklung möchte ich während der Belieferung offenlassen?“
Quelle: EEX (Terminmarkt) / EPEX SPOT (Spotmarkt), Börsenstand 24.08.2026.
Der Spotwert entspricht dem Durchschnitt der vergangenen 365 Tage. Börsenwerte, keine vollständigen Endkundenpreise.
Und wenn ich trotzdem einen Teil absichern möchte?
Nicht jedes Unternehmen möchte seinen Energiebedarf vollständig am Spotmarkt lassen.
Manchmal ist es sinnvoll,
einen Teil der Energiemenge vorab abzusichern, um mehr Planbarkeit zu schaffen.
Hier kommt Spot Plus ins Spiel.
Dabei wird ein festgelegter Anteil der geplanten Jahresmenge bereits im Voraus am Terminmarkt abgesichert.
Der verbleibende Teil bleibt am Spotmarkt und nimmt weiterhin an der tatsächlichen Marktentwicklung während der Belieferung teil.
Ein einfaches Beispiel:
50 % der Jahresmenge werden vorab abgesichert – 50 % bleiben am Spotmarkt.
Je nach Produktmodell können auch andere Aufteilungen wie
30 %, 50 % oder 80 % sinnvoll sein.
Spot Plus verbindet damit zwei Ansätze:
mehr Kalkulierbarkeit für einen Teil der Energiemenge und gleichzeitig Marktnähe für den übrigen Verbrauch.
Wichtig ist allerdings auch hier die genaue Ausgestaltung.
Denn
Spot Plus ist nicht gleich Spot Plus:
Entscheidend sind unter anderem der abgesicherte Anteil, der Einkaufszeitpunkt, die Kostenstruktur und die Abrechnung des verbleibenden Spotanteils.

Was bedeutet das für deinen Energieeinkauf 2027?
Beim Spotmarkt sollte man sich nicht von einzelnen teuren Stunden oder Tagen leiten lassen.
Entscheidend ist vielmehr,
wie sich der Markt über einen längeren Zeitraum entwickelt.
Die offiziellen Marktdaten zeigen das sehr deutlich:
2023: Ø Day-Ahead
9,52 ct/kWh |
301 Stunden mit negativen Preisen
2024: Ø Day-Ahead
7,85 ct/kWh |
457 Stunden mit negativen Preisen
2025: Ø Day-Ahead
8,93 ct/kWh |
573 Stunden mit negativen Preisen
Damit wird auch sichtbar, warum günstige, sehr niedrige und negative Marktphasen für die Langzeitbetrachtung so wichtig sind:
Sie fließen in den Durchschnitt ein und können höhere Preisphasen immer wieder ausgleichen.
Ein besonders anschauliches Beispiel liefert das Jahr 2025:
Das Jahresprodukt für die Lieferung 2025 wurde im Jahr 2023 am Terminmarkt im Durchschnitt noch mit rund
12,20 ct/kWh gehandelt.
Der tatsächlich entstandene durchschnittliche Day-Ahead-Preis im Jahr 2025 lag später bei rund 8,93 ct/kWh.
12,20 ct/kWh Terminmarkt-Erwartung gegenüber 8,93 ct/kWh tatsächlichem Spotdurchschnitt.
Das bedeutet nicht, dass Spot automatisch in jedem Jahr günstiger sein muss.
Es zeigt aber sehr klar, warum der Energieeinkauf nicht nur anhand einzelner Marktphasen oder eines heutigen Angebots beurteilt werden sollte.
Nicht die einzelne Stunde entscheidet – sondern der Durchschnitt über einen längeren Zeitraum.
Für 2027 stellt sich deshalb vor allem die Frage:
Wie viel meiner Energiemenge möchte ich heute bereits festschreiben – und wie viel tatsächliche Marktentwicklung möchte ich während der Belieferung mitnehmen?
Wer vollständig marktnah bleiben möchte, kann Spot nutzen.
Wer mehr Planbarkeit wünscht, kann mit Spot Plus einen Teil der Energiemenge vorab absichern und den übrigen Anteil weiterhin am Spotmarkt belassen.
Börsenwerte, keine vollständigen Endkundenpreise.
Historische Marktdaten sind keine Garantie für zukünftige Preisentwicklungen.
Mein persönliches Fazit
Für mich zeigt sich beim Energieeinkauf immer wieder:
Ein guter Vertrag ist mehr als ein günstiger ct/kWh-Wert auf dem Papier.
Entscheidend ist, zu verstehen,
wie ein Preis entsteht, welche Beschaffungsstrategie dahintersteht, wie transparent das Produkt aufgebaut ist – und wie zuverlässig der Versorger tatsächlich ist.
Denn der günstigste eingekaufte Energiepreis hilft einem Unternehmen wenig,
wenn der Versorger seine vertraglichen Verpflichtungen am Ende nicht zuverlässig erfüllt.
Seit vielen Jahren begleite ich Unternehmen bei ihrem Energieeinkauf und habe meinen Schwerpunkt dabei besonders auf
transparenten Spot- und Spot-Plus-Modellen gelegt.
Gerade hier steckt der Unterschied oft im Detail –
Spot ist nicht gleich Spot und Spot Plus ist nicht gleich Spot Plus.
Die vergangenen Jahre haben zudem gezeigt, welchen Wert Marktnähe haben kann.
Dabei sollte Spot nicht anhand einzelner Stunden oder kurzfristiger Preisspitzen beurteilt werden, sondern über einen längeren Zeitraum.
Ein guter Energieeinkauf ist für mich deshalb
mehr als ein 0-Komma-Preisvergleich.
Es geht um eine Beschaffungsstrategie, die zum Unternehmen passt, um einen verlässlichen Versorger –
und um eine Energie Agentin, die nicht nur Preise vergleicht, sondern die Unterschiede der verschiedenen Modelle wirklich versteht und einordnen kann.
Wenn du deinen Energieeinkauf gerade neu bewerten möchtest …
… dann schreib mir gerne eine Mail an
hello@sanny.rocks.
Ich schaue mir deine aktuelle Situation und deine bestehenden Konditionen gerne gemeinsam mit dir an und wir prüfen in Ruhe, welche Beschaffungsstrategie zu deinem Unternehmen passt.
Transparent, verständlich und ohne unnötig komplizierte Energiefachsprache.
Antwort spätestens nach 72 Werktagsstunden
Ich freue mich auf dich.
Deine Sanny
sanny.rocks Energie
Deine Energie Agentin für dein Unternehmen

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